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FBA-Lagergebühren verstehen und senken

Amazon FBA-Lagergebühren verstehen und senken: Berechnung pro m³, Langzeitlagergebühr, IPI-Score und konkrete Spar-Strategien mit Rechenbeispiel.

8 Min. Lesezeit
Aktualisiert Juli 2026
AKARA Solutions
Wichtiger Hinweis: Redaktioneller Inhalt, keine Steuer- oder Finanzberatung. Alle Gebührenwerte: Amazon Seller Central, Stand Juli 2026.
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Wie sich die monatliche FBA-Lagergebühr berechnet

Amazon berechnet die monatliche Lagergebühr nicht nach Anzahl deiner Einheiten, sondern nach dem Volumen, das dein Bestand in den Fulfillment-Centern täglich belegt. Grundlage ist das tägliche Volumen in Kubikmetern (m³), gemittelt über den kompletten Kalendermonat. Wer mehr Platz braucht, zahlt mehr, unabhängig davon, ob die Ware sich dreht oder monatelang im Regal steht.

ca. 26 €/m³
Januar bis September
ca. 36 €/m³
Oktober bis Dezember
Tagesdurchschnitt
Berechnungsgrundlage pro Monat

Der Sprung im vierten Quartal ist kein Zufall: Amazon reserviert vor dem Weihnachtsgeschäft Lagerfläche für Peak-Volumen und gibt den höheren Flächendruck über den Satz an Verkäufer weiter. Wer seinen Bestand nicht rechtzeitig reduziert, zahlt für dieselbe Warenmenge im November spürbar mehr als im Frühjahr.

Der Effekt ist besonders bei sperrigen, aber leichten Produkten spürbar: Nicht das Gewicht bestimmt die Gebühr, sondern das Volumen der Verpackung. Zwei Produkte mit identischem Gewicht können bei unterschiedlicher Verpackungsgröße völlig verschiedene Lagerkosten verursachen.

Prüfe vor der nächsten Einlagerung, ob sich die Versandverpackung verkleinern lässt. Schon wenige Zentimeter weniger Kantenlänge je Karton summieren sich bei mehreren hundert Einheiten zu einem spürbar kleineren m³-Wert und damit direkt zu niedrigeren monatlichen Kosten.
ZeitraumSatz pro m³ und Monat (Richtwert)
Januar bis Septemberca. 26 €
Oktober bis Dezemberca. 36 €
Die tatsächlichen Sätze variieren nach Marktplatz, Produktkategorie (z. B. Übergröße vs. Standardgröße) und werden von Amazon regelmäßig angepasst. Aktuelle Werte findest du in Seller Central unter „Lagergebühren" (Stand Juli 2026).

Rechenbeispiel: Du lagerst 500 Einheiten eines Produkts mit je 2 Litern Verpackungsvolumen. Macht 1.000 Liter, also 1 m³.

MonatSatzKosten für 1 m³
Januar26 €/m³26,00 €
November36 €/m³36,00 €

Für exakt dieselbe Warenmenge zahlst du im November 10 € mehr, das sind knapp 38 % Aufschlag allein durch den Saisonfaktor. Bei größeren Volumina multipliziert sich dieser Effekt entsprechend.

Langzeitlagergebühr: Der Aged Inventory Surcharge ab 181 Tagen

Neben der regulären monatlichen Lagergebühr erhebt Amazon einen separaten Zuschlag für Bestand, der zu lange liegen bleibt: die Langzeitlagergebühr, offiziell Aged Inventory Surcharge. Sie wird zusätzlich zur normalen m³-Gebühr fällig, sobald einzelne Einheiten eine bestimmte Verweildauer im Fulfillment-Center überschreiten.

Die Staffelung beginnt bei 181 Tagen Lagerzeit und wird in mehreren Stufen deutlich teurer, je länger die Ware liegen bleibt. Ab 365 Tagen greift die höchste Stufe, die im Vergleich zur regulären Gebühr ein Vielfaches kosten kann.

LagerdauerZuschlagsstufe
0 bis 180 TageKein Zuschlag, nur reguläre m³-Gebühr
181 bis 270 TageErste Zuschlagsstufe
271 bis 365 TageHöhere Zuschlagsstufe
ab 365 TageHöchste Stufe, deutlich teurer als reguläre Lagergebühr
Die exakten Beträge je Stufe ändert Amazon periodisch und sie unterscheiden sich nach Produktgröße. Verlass dich für die aktuelle Kalkulation nicht auf Faustwerte aus Foren, sondern prüfe den Bericht „Lagerkennzahlen des Bestands" bzw. die Langzeitlagergebühren-Vorschau in Seller Central, dort listet Amazon die konkreten Sätze und sogar Einheiten auf, die in den kommenden 30 bzw. 60 Tagen betroffen sein werden.

Die Langzeitlagergebühr wird in der Regel einmal im Monat, meist um den 15., auf Basis des Snapshots am Monatsende berechnet. Wer kurz vor dem Stichtag noch eine Removal- oder Vernichtungs-Order auslöst, kann die anstehende Belastung für diesen Zyklus noch vermeiden, sofern Amazon die Order rechtzeitig bearbeitet.

Wichtig für deine Planung: Die Uhr läuft je Einheit einzeln, nicht pro SKU. Wenn du kontinuierlich nachlieferst, können ältere Einheiten trotzdem in eine höhere Stufe rutschen, während neu eingelagerte Ware noch gebührenfrei bleibt. Ohne FIFO-nahe Steuerung deines Nachschubs verlierst du hier schnell den Überblick.

Kapazitätslimits: Wenn Amazon dein Lagervolumen begrenzt

Amazon vergibt jedem Verkäufer ein individuelles Lagerkapazitätslimit, gemessen wieder in m³. Dieses Limit ist an deinen IPI-Score gekoppelt: Sinkt der Score unter die von Amazon gesetzte Schwelle, wird das Limit gekürzt, teils drastisch.

Ein gekürztes Kapazitätslimit trifft dich an zwei Stellen finanziell. Erstens kannst du weniger Bestand einlagern und musst gegebenenfalls kurzfristig nachbestellen, was in der Regel teurer ist als geplante Sammelbestellungen. Zweitens fallen zusätzliche Gebühren an, wenn du dein Limit überschreitest oder auf die Storage Type Allocation (STA) angewiesen bist, um überhaupt Kapazität zugeteilt zu bekommen.

Überschreitest du dein zugewiesenes Limit dennoch, etwa weil eine Lieferung schon unterwegs war, berechnet Amazon zusätzliche Overage-Gebühren auf das überschüssige Volumen. Diese Gebühren liegen typischerweise über der regulären m³-Gebühr und treffen dich zusätzlich zur ohnehin schon eingeschränkten Kapazität, ein doppelter Nachteil, den du durch vorausschauende Sendungsplanung vermeidest.

Ein niedriges Kapazitätslimit ist selten das eigentliche Problem, es ist ein Symptom. Die Ursache liegt fast immer in einem schwachen IPI-Score, der wiederum direkt mit unverkauftem, schlecht disponiertem Bestand zusammenhängt.

Sellern mit konstant hohem IPI-Score gewährt Amazon dagegen tendenziell mehr Spielraum und in manchen Fällen sogar reduzierte Gebührenkonditionen. Die Kapazitätssteuerung und die Gebührenstruktur sind damit kein separates Thema, sondern zwei Seiten derselben Kennzahl.

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Der IPI-Score und seine vier Stellschrauben

Der Inventory Performance Index (IPI) ist Amazons zusammengefasste Kennzahl für die Qualität deines Bestandsmanagements. Er wird aus vier Faktoren gebildet und wirkt sich direkt auf dein Kapazitätslimit und damit indirekt auf deine Gebührenlast aus.

FaktorWas gemessen wird
Excess Inventory PercentageAnteil des Bestands, der deutlich über dem prognostizierten Bedarf liegt
Sell-Through-RateVerhältnis von verkauften Einheiten zu durchschnittlichem Lagerbestand in einem Zeitraum
Stranded-Inventory-RateAnteil an Einheiten mit inaktivem oder fehlerhaftem Angebot, die trotzdem Lagerplatz belegen
In-Stock-RateAnteil der Zeit, in der deine Bestseller lieferbar waren

Die ersten drei Faktoren bestrafen letztlich dasselbe Grundproblem aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Bestand, der Platz belegt, ohne sich zu verkaufen. Die vierte Kennzahl, die In-Stock-Rate, wirkt gegenläufig, sie bestraft zu wenig Bestand bei starken Sellern. Ein gesunder IPI-Score entsteht also nicht durch pauschales Abbauen von Lagerbestand, sondern durch treffsichere Mengenplanung je SKU.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang: Liegen 30 % deines Bestands als Excess Inventory im Lager, drückt das nicht nur den IPI-Score, genau dieser Anteil ist es auch, der überproportional in Richtung der 181-Tage-Grenze der Langzeitlagergebühr wandert. Ein niedriger Score ist damit fast immer ein Frühindikator für steigende Gebühren in den Folgemonaten, nicht erst deren Folge.

Sellern mit IPI-Score über der von Amazon gesetzten Schwelle (aktuell in Seller Central unter „Inventory Performance" einsehbar) entfallen in der Regel Kapazitätsbeschränkungen komplett. Der Score lohnt sich also doppelt: weniger Lagergebühren durch weniger Überbestand und mehr Freiraum für geplantes Wachstum.

Fünf Hebel, mit denen du Lagergebühren aktiv senkst

Die folgenden Hebel wirken direkt auf die Gebühren, die du in den vorherigen Abschnitten kennengelernt hast.

  • Bestandsplanung nach Sell-Through: Bestelle Nachschub in Mengen, die zur tatsächlichen Verkaufsgeschwindigkeit passen, nicht zu Mengenrabatten beim Hersteller. Ein Reichweiten-Ziel von 45 bis 60 Tagen Bestand ist für die meisten Kategorien ein solider Ausgangspunkt.
  • Remission oder Entsorgung rechtzeitig einleiten: Sobald ein SKU erkennbar unter der 181-Tage-Grenze zur Langzeitlagergebühr auffällt, lohnt sich der Blick auf den Removal-Order-Prozess, bevor der Zuschlag greift.
  • Outlet oder Liquidation für Slow-Mover: Statt Ware bis zur höchsten Zuschlagsstufe liegen zu lassen, reduziert ein befristeter Outlet-Deal oder eine Liquidationsauktion den Bestand aktiv und bringt zumindest einen Teilerlös zurück.
  • Just-in-Time-Nachschub bei Q4-Ware: Für Produkte mit stark saisonalem Verlauf lohnt sich häufigere, kleinere Einlagerung statt einer großen Vorab-Lieferung, insbesondere weil der Satz ab Oktober um rund 38 % steigt.
  • Bundle-Bildung für Slow-Mover: Zwei oder drei langsam drehende SKUs als Set zusammenzufassen, kann die Sell-Through-Rate des gebündelten Angebots gegenüber den Einzelartikeln deutlich verbessern und reduziert gleichzeitig die Anzahl der Einheiten, die einzeln gegen die 181-Tage-Grenze laufen.
Alle Hebel verfolgen dasselbe Ziel: Bestand so kurz wie möglich und so knapp wie nötig im Fulfillment-Center zu halten. Jeder Tag, den eine Einheit länger als nötig liegt, kostet doppelt, über die reguläre m³-Gebühr und über das Risiko der Langzeitlagergebühr.

Diese Strategien lassen sich nicht isoliert planen. Eine verlässliche monatliche Kostenprognose brauchst du, um zu entscheiden, welcher SKU zuerst Aufmerksamkeit braucht. Der FBA-Gebührenrechner hilft dir dabei, deine aktuellen Volumina und Sätze in konkrete Monatskosten zu übersetzen, bevor du eine Remission- oder Nachbestell-Entscheidung triffst.

Remission oder weiterlagern? Diese Rechnung entscheidet

Ob sich eine Remission lohnt, ist keine Bauchentscheidung, sondern eine Kosten-Nutzen-Rechnung mit drei Größen: den Kosten für die Entfernung der Ware, den Kosten für die Fortsetzung der Lagerung inklusive drohendem Langzeitzuschlag und dem realistisch erzielbaren Restwert der Ware.

Rechenbeispiel: Ein SKU mit 200 Einheiten, je 1,5 Liter Volumen, liegt seit sieben Monaten im Lager. Das Produkt verkauft sich kaum noch, der Bestand belegt 300 Liter, also 0,3 m³.

OptionRechnungKosten (Richtwert)
Weiterlagern, 3 weitere Monate (Q4-Satz)0,3 m³ × 36 €/m³ × 3 Monateca. 32,40 € zzgl. Langzeitzuschlag
Sofortige Remission200 Einheiten × Entfernungsgebühr je Einheitabhängig vom aktuellen Satz laut Seller Central
Die konkrete Entfernungsgebühr pro Einheit und die genaue Höhe des Langzeitzuschlags legt Amazon nach Produktgröße und Kategorie fest und ändert sie periodisch. Rufe für eine belastbare Entscheidung die aktuellen Sätze direkt im Bericht „Empfehlungen zur Bestandsentfernung" in Seller Central ab, dort zeigt Amazon dir zusätzlich, welche Einheiten in den nächsten 30 bis 60 Tagen in die nächste Zuschlagsstufe rutschen.

Als Faustregel gilt: Sobald die Summe aus regulärer Lagergebühr und drohendem Langzeitzuschlag über mehrere Monate die einmalige Entfernungsgebühr übersteigt, und der Verkaufspreis realistisch nicht mehr kostendeckend erzielbar ist, ist die Remission die günstigere Option. Bei Ware mit noch intaktem Verkaufspotenzial ist dagegen ein befristeter Preisnachlass oder eine Werbeaktion oft wirtschaftlicher als der komplette Abbau des Bestands.

Für Ware mit realistischem Wiederverkaufswert außerhalb von Amazon lohnt sich zusätzlich der Vergleich mit einer Rücksendung ins eigene Lager statt einer Vernichtung durch Amazon. Die Versandkosten für die Rücksendung sind zwar meist höher als die reine Vernichtungsgebühr, dafür bleibt dir der Warenwert für einen Verkauf über andere Kanäle erhalten.

Baue diese Prüfung als festen Monatstermin in deine Bestandssteuerung ein. Wer erst reagiert, wenn Amazon die Langzeitlagergebühr bereits berechnet hat, zahlt strukturell mehr, als nötig gewesen wäre.

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Häufige Fragen

Wie berechnet Amazon die monatliche FBA-Lagergebühr?

Amazon misst täglich das Volumen, das dein Bestand in m³ im Fulfillment-Center belegt, mittelt diesen Wert über den Kalendermonat und multipliziert ihn mit dem aktuellen Satz pro m³, der von Januar bis September niedriger und von Oktober bis Dezember höher ausfällt.

Ab wann fällt die Langzeitlagergebühr an?

Der Aged Inventory Surcharge greift erstmals bei Einheiten, die 181 Tage im Fulfillment-Center liegen, und steigt in weiteren Stufen bis zur höchsten Stufe ab 365 Tagen deutlich an. Die genauen Beträge je Stufe findest du aktuell in Seller Central.

Was ist der IPI-Score und wie beeinflusst er meine Kosten?

Der Inventory Performance Index fasst vier Kennzahlen zusammen: Excess Inventory, Sell-Through-Rate, Stranded-Inventory-Rate und In-Stock-Rate. Ein niedriger Score führt zu einem gekürzten Lagerkapazitätslimit, was wiederum häufigere Nachbestellungen und höhere Gesamtkosten nach sich ziehen kann.

Wann lohnt sich eine Remission statt Weiterlagern?

Sobald die Summe aus regulärer Lagergebühr und drohendem Langzeitzuschlag über mehrere Monate die einmalige Entfernungsgebühr übersteigt und kein kostendeckender Verkauf mehr realistisch ist, ist die Remission in der Regel die günstigere Option.

Wie kann ich mein Lagerkapazitätslimit erhöhen?

Ein stabil hoher IPI-Score ist der wichtigste Hebel. Reduziere überschüssigen Bestand, sorge für aktive Angebote ohne Stranded Inventory und halte die Sell-Through-Rate deiner SKUs im grünen Bereich, dann gewährt Amazon in der Regel mehr Kapazität.

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